2022 – 2025

Es sind Jahre mit weiterhin vielfältigen Aktivitäten, die aber immer stärker davon geprägt sind, Projekte und Arbeitsfelder abzuschließen und Bilanz zu ziehen. Dies begann schon 2021 mit dem gemeinsam mit Andreas Germershausen vorgelegten Buch Ausbildung statt Ausgrenzung. Es zeichnet ein über 10jähriges Berliner Reformprojekt zur Öffnung der Ausbildung im Öffentlichen Dienst und Landesbetrieben für Jugendliche aus Familien mit Einwanderungsgeschichte nach, welches ich von Anfang an wissenschaftlich begleitet hatte.
Im Ende Juni 2022 findet in Hannover das letzte Jahresforum der Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative statt: auch mit den direkt eingespielten Beiträgen aus Hoyerswerda, Karlsruhe und Weinheim zeigt es noch einmal, wie erfolgreich sich über die Jahre das Konzept „Kommunale Koordinierung und Lokale Verantwortungsgemeinschaft“ hatte etablieren können. Im August 2022 endet – wie verabredet – nach 14 Jahren meine Tätigkeit als Koordinator der Arbeitsgemeinschaft. 2023 folgt der Beschluss zur Auflösung der Arbeitsgemeinschaft, die dann 2024 erfolgte. Eine kritische Bilanzierung dieser ungewöhnlichen, von bildungsaktiven Kommunen selbst getragenen Initiative erfolgte 2025 mit einem Buch mit dem Titel „Bildungsaktive Kommunen“, das im September 2025 in Berlin vorgestellt wurde. Diese Vorstellung bot vielen über die Jahre Beteiligten noch einmal Gelegenheit sich zu treffen.

Bildungsaktive KommunenErfahrungen und Konzepte gelingender Bildungspartnerschaften

Das seit 2016 als Antwort auf die hohe Zahl ankommender Geflüchteter gestartete und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration geförderte Projekt samo.fa (= Stärkung von Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit“ ) endete 2023. In diesem Zeitraum wurde in bis zu 30 Städten quer durch Deutschland von Migrant:innen-Organisationen ein zunehmend wichtigerer Beitrag zum guten Ankommen von Geflüchteten „vor Ort“ geleistet, was auch die Städte verändert hat, und ein breites Kompetenznetzwerk „Ankommen“ aufgebaut. Ein vor allem auch konzeptionell ausgerichteter chronologischer und detaillierter Erfahrungsbericht wurde als Buch unter dem Titel „Nahe bei den Menschen“ dann 2025 vorgelegt. – Aufbauend auf diesem erfahrenen und kompetenten Netzwerk wurde mit „Gleich teilhaben“ ein Folgeprojekt zur Geflüchtetenarbeit möglich, indem es um die Sicherung der Aufmerksamkeit für sozial besonders verletzliche Gruppen ging. Auch in diesem Projekt konnte ich im Leitungsteam mitarbeiten. Es endete im Dezember 2025 und ist auf der Homepage https://gleich-teilhaben.de/ gut dokumentiert.
Beide Projekte – samo.fa und GLEICH teilhaben – sind Projekte, die der Bundesverband Netzwerke von Migrant:innen-Organisationen (BV NeMO) durchgeführt hat. Sie sind von ihrer Anlage her eng mit dem zentralen lokal-kommunalen Handlungsansatz des BV NeMO verbunden. Mit dem BV NeMO bin ich schon seit seiner Gründung, an dessen Vorbereitung ich vom vmdo in Dortmund aus zusammen mit Ümit Koṣan beteiligt war, eng verbunden. In den letzten Jahren hat sich der BV NeMO stark entwickelt und ist zu einer wichtigen migrantischen Stimme insbesondere auch im „politischen Berlin“ geworden (vergl. hierzu : Auf dem Weg zu einer Stimme, die gehört wird ). Neben der Mitgliedschaft in den Leitungsteams der Projekte beriet und berate ich weiterhin den Vorstand des BV NeMO, u.a. auch durch die Konzipierung thematischer Konferenzen und Positionierungen.

Im August 2025 fand unter der Überschrift Stark in schwierigen Zeiten eine große Veranstaltung zum 10jährigen Bestehen des Verbands statt, dessen Besonderheit ist, dass er ein Zusammenschluss herkunftsübergreifender lokaler Verbünde ist.

Zu den Formaten, die sowohl der Klärung als auch der Positionierung dienen, gehören thematische Arbeitskonferenzen, so z.B. im März 2023 in Köln „Armut in der Einwanderungsgesellschaft – ein sozialer Skandal“, im Februar 2024 in Dresden „Chancenaufenthalt, „Spurwechsel“, Ausländerämter und die neuen„Gastarbeiter*innen“ und im November 2024 in Berlin „Menschenwürde verteidigen. Demokratie stärken“. –

Zehn Jahre BV NeMO

Kritische Arbeitsforschung: gestern, heute – und morgen?“ war eine besondere Veranstaltung – auch zur Erinnerung an meinen verstorbenen Kollegen und Freund Rainer Lichte und auch in Bezug auf die Geschichte der Arbeitsforschung an der Sozialforschungsstelle – , zu der ich gemeinsam mit dem vmdo und dem BV NeMO im April 2023 nach Dortmund eingeladen hatte. Das Besondere an dieser Tagung der Dialog zwischen Vertreter:innen aus der migrantischen und betrieblichen Praxis und Arbeitsforscher:innen.

Programm der Arbeitstagung

Aus dem Kontext der Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative begann im Jahr 2005 ein starkes Engagement im ostsächsischen Hoyerswerda, bis vor einiger Zeit auch gemeinsam mit Angela Paul-Kohlhoff. Seit wenigen Jahren entwickelt sich dort eine neue Dynamik.

Hoyerswerda: Neustadt

Nach dem tiefen Umbruch 1989 und der Folgejahre sieht sich die Stadt Hoyerswerda und ihr Umland nun mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert: nämlich dem Bergbau- Ende und der extrem negativen demographischen Entwicklung mit hoher Überalterung. Und dies in der östlichen Lausitz, einer der strukturschwächsten Regionen des Landes. Aufgrund der Überlagerung von Bergbau-Ende und der „natürlichen“ weiteren Verringerung der Bevölkerung misst sich das Zeitfenster für einen notwendigen Wachstumsschub eher in Jahren als in Jahrzehnten.

Im Zentrum für einen neuen Aufbruch stehen dabei lokal-regionale Zukunftsfelder mit Potenzial: für zukunftsfähige Modelle der Energieversorgung, des klimagerechten und generationenübergreifenden Wohnens, der Gesundheit, auch in einer alternden Gesellschaft, eines Neuen Tourismus, aber auch die Zweisprachigkeit der Region und die damit verbundenen interkulturellen und internationalen Bezüge. Bildung wird im und für den Strukturwandel Bildung zu einem wichtigen Motor: für die Förderung des lokal-regionalen Bildungspotenzials, die Anziehungskraft der Stadt als Bildungsort und die längerfristige Bindung von Menschen – vor allem auch Menschen mit Einwanderungsgeschichte – an die städtische Region.

Für meine Beratung bedeutet dies, dass sie sich über den Bereich Bildung und die enge Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Bildung, die für die Stadt von der RAA Hoyerswerda betrieben wird, hinaus auf die Stadtspitze und die Herausforderungen der Stadtentwicklung ausgedehnt hat, was auch zeitlich eine erhebliche Bindung nach sich zog und zieht. Persönlich kann ich damit auch an meine stadtsoziologischen Arbeiten aus den 80er und 90er Jahren anschließen.

Bildungskonferenz Hoyerswerda in der Lausitz-Halle

Bildung gewinnt erneut an Gewicht, vor allem auch unter Aspekten beruflicher Chancen und Entwicklungen. Von daher ist es von Vorteil, dass Hoyerswerda schon seit mehr als 10 Jahren von einem fachkundigen Bildungsbeirat beraten wird, dem ich als Sprecher angehöre. Ein zeitlich befristetes Projekt aus dem Bundesprogramm Bildungskommunen dient aktuell der Verstärkung. Außerdem werden wieder regelmäßig Bildungskonferenzen durchgeführt, die erneut eine starke Resonanz in der Bildungslandschaft haben. Themen der Bildungskonferenzen waren: Bildung – Motor für Wandel und Wachstum (2022), Wandel in Hoyerswerda konkret: Zukunftsfelder, Zukunftsbildung (2023), Hoyerswerda im Wandel: Neue berufliche Perspektiven (2024) und Mut zur Zukunft! Jede und jeder wird gebraucht. Bildungsbenachteiligung als Risiko (2025).

Schon seit 2016 unterstütze ich die Hildegard-Lagrenne-Stiftung beim Aufbau, der Entwicklung und Ausreifung von Romno-Power-Clubs (RPC). Darum geht es: Der Name ist Programm. In den lokalen Clubs treffen sich junge Sinti und Roma. Power steht für Kraft, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsfähigkeit und für gemeinsame Unterstützung. Die aktiv mitmachen, sagen: ich will erfolgreich meinen eigenen Weg in Bildung, Ausbildung und Beruf gehen und ich kann das. Und ich verschweige nicht, dass ich einen Romno-Hintergrund habe, denn das ist mir wichtig.

Mit den RPCen entsteht gerade eine Bewegung junger Leute, die mit dem Bildungsaufbruch ernst machen, einen eigenen Kopf und eine eigene Stimme haben. Die mehrjährige Förderung durch die Dohle-Stiftung erlaubt es, sich mit etwas längerem Atem um die weitere Stärkung der RPC-Bewegung zu kümmern.

Spurensuche in Köln

Im Zentrum steht die lokale Arbeit der Clubs, strukturiert durch Quartalsthemen: Stark in den Herbst, Helle Köpfe, Dem Hass keinen Raum geben, Roma Day goes on, Hinein in den Sommer. Sommertage in… sind die jährlichen bundesweiten Treffen, über die sich allmählich eine Art von Jugendbewegung formt. Die ersten „Sommertage in…“ fanden 2021 in Berlin statt, 2022 in München, 2023 als „Herbsttage“ in Kassel, 2024 in Hamburg und 2025 in Köln.
Manche Arbeitskontakte wurden zu Freundschaften. Aus den Zusammenhängen, die schon in den 80er Jahren durch von uns aus Dortmund initiiertem Netzwerk „Work&Education in Europe“ und den nachfolgenden vielen europäischen Projekten entstanden waren, blieb eine enge Beziehung zu Oriol Homs in Barcelona und Valter Fissaber in Athen. Das letzte Mal haben wir uns gemeinsam in Athen getroffen, im Juni 2023… Und wir haben natürlich auch Pläne gemacht.

Valter und Oriol